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14.6.2010: Gott schenke uns Ohrenlider(Kurt Tucholsky)Ebenso wie praktisch alle anderen Kommentatoren, komme auch ich dieses Jahr nicht darum herum, ein paar einleitende Bemerkungen zu diesen Plastik-Tröten zu verlieren: Der Krach ist einfach unerträglich. Bei aller Sympathie für den afrikanischen Kontinent muß das in aller Deutlichkeit gesagt werden. Die Geräuschkulisse im Stadion soll eigentlich die Dramatik des Spiels untermauern. Bei einem so durchgehenden Dauerton kann davon keine Rede sein. Mit diesem Gebahren erweisen die afrikanischen Zuschauer ihrem Kontinent einen Bärendienst, und hinterlassen den Eindruck eines aus dem Ruder geratenden Kindergeburtstags, der mit Sicherheit nicht geeignet ist, Gelder für die dringend benötigte wirtschaftliche Sanierung locker zu machen. Wie man eine größere Anzahl von Bläsern richtig organisiert, konnte man bei uns in Niedersachen zum Beispiel gestern auf dem Bläserklassentag in Goslar erfahren. Was mich am meisten aufregt, ist die Reaktion der Fernsehsender: Das recht homogene Frequenzspektrum der Tröten rauszufiltern, wäre ein reines Softwareproblem, das ein erfahrener Nachrichtentechniker in zwei Manntagen Programmierarbeit erledigt haben sollte. ARD, ZDF,RTL und SAT1: bitte sorgt bis zum Spiel gegen Serbien dafür. Dieses Gedröhne schlägt so negativ auf das vegetative Nervensystem, daß wir unsere Mannschaft einfach mental nicht genug unterstützen können, wenn das so weitergeht. So. Damit solls gut sein. Wie schon seit Klinsmann, erfreut die deutsche Mannschaft die Herzen der Zuschauer auch in diesem Jahr durch ein gefälliges, temporeiches Offensiv-Spiel. Durch die rote Karte ist das Ergebnis mit 4:0 gegen Australien leider etwas zu eindeutig ausgefallen, so daß die wirklich ernst zu nehmenden Gegner nach dem Achtelfinale sicher jetzt schon wieder hellhörig geworden sind. Aber da kann keiner was für, da müssen wir mit leben. Am Freitag also dann das Spiel gegen eine hochmotivierte, von schierer Verzweiflung getriebene, serbische Mannschaft. Das wird nicht leicht. Die Balkanländer mit ihrem von hartem Körpereinsatz geprägten Spiel sind schon immer die Angstgegner deutscher Fußball-Nationalmannschaften gewesen. Und wir können nicht damit rechnen, daß der Schiedsrichter ebenso hart durchgreift, wie gestern. Die instinktive Trainer-Reaktion in so einem Fall wäre, den Gegner einfach erstmal kommen zu lassen, auf Konter zu setzen und die Knochen zu schonen. Auch Franz Beckenbauer hatte ja den Rat gegeben, daß "die anderen Mannschaften uns erstmal schlagen müssen." Jogi Löw wird das aber sicher ganz anders machen: Er wird auch am Freitag auf offensiven, ästhetischen Fußball setzen, den Serben zu einem Spottpreis den Schneid abkaufen, und sich damit auch weiterhin unsere Sympathien sichern. Ansonsten waren das am ersten Wochenende entschieden zu viele Unentschieden(Siehe unten Joh 3,16). Argentinien schafft es gerade mal so, Slowenien und Ghana überraschen, und lediglich Süd-Korea schafft mehr als ein Tor. Da sieht man, wo die Zukunft des Fußballs liegt. Der arme, arme Green. Die vielen vielen Wiederholungen seines Torwart-Fehlers mußten mich an Rene Zellweger in dem Film "Schokolade zum Früchstück" denken lassen. Die Szene, wo sie sich wieder und wieder die eigene Viedeoaufname von jenem Ereignis ansieht, wo sie die Feuerwehrstange herunterrutscht, während dabei ihr Rock hochrutscht. Leider habe ich dazu auf die schnelle keinen link zu youtube gefunden. 25.6.2010: Minimalziel erreicht.Das Spiel gegen Serbien konnte ich leider nicht verfolgen, da wir einen ziemlichen Auftragsstau hatten, und meine Mitarbeit am Freitag Nachmittag zwingend gefordert war. Mit meiner Einschätzung lag ich aber augenscheinlich nicht verkehrt: Wenn England ein Problem mit peinlichen Torwart-Fehlern hat, so hat Deutschland definitiv ein Problem mit Balkan-Mannschaften.Das Spiel gegen Ghana war herrlich anzusehen, ohwohl nur ein Tor gefallen ist. Die ganze Zeit sehr temporeich und von beiden Mannschaften offensiv gespielt, spannend bis nervenaufreibend und mit einem zufriedenstellenden Endergebnis für beide Seiten. Ghana und Deutschland sind zu Recht weitergekommen, Hut ab vor der Leistung der australischen Mannschaft, die Ghana hierbei Schützenhilfe leistete. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kommentatoren hieß der beste Spieler auf dem Platz für mich: Schweinsteiger. Natürlich war Özil auch ganz hervorragend, und wir verdanken seinem Tor fraglos den Einzug ins Achtelfinale; dennoch hat Schweinsteiger durch sein energisches Zurücksetzen und Ausputzen bald ein dutzend Mal dafür gesorgt, daß das Formtief der Defensive gar nicht sichtbar werden mußte. Schweinsteiger hat bereits am Mittelkreis geschätzte ein bis drei Gegentore verhindert, und einen schier übermenschlichen physischen Einstz gezeigt. Beten wir, daß er am Sonntag wieder voll da ist. Ich schreibe das aber nur als Ausgleich gegenüber der allgemeinen Lobhhudelei zu Özil: Es ist gerade die Teamfähigkeit, die diese Mannschaft auszeichnet: das Nicht-Bewerten und Nicht-Herausheben von Einzelleistungen bei Interviews von Trainer und Spielern. In seiner Art zu fragen bleibt der deutsche Sport-Journalismus als theoretische Populärwissenschaft dagegen weit hinter den psychologischen und taktischen Entwicklungen im Fußball zurück. Das sage ich ja schon seit 2006. Was mich am Mittwoch am meisten gefreut hat, war, daß zumindest in den großen Medien keine rassistischen Ausfälle gegen Boateng sichtbar wurden. Ich hatte schon die Befürchtung, daß irgendsoein alkoholisierter rechtsradikaler Depp die Sicherheitsabsperrungen überwindet und unserm Land einen großen Image-Schaden zufügt. Dies ist nicht geschehen, und dafür gebührt den südafrikanischen Sicherheitskräften unser Dank. 29.6.2010: Nu sind wa quitWas für ein Spiel: Nach Meinung der überwiegenden Anzahl der Experten war ja das legendäre Wembley-Tor von 1966 zu unrecht gegeben worden. Jetzt wäre also in gewisser Weise der Ausgleich hergestellt insofern, als das unmittelbar vor der Halbzeit psychologisch so wichtige 2:2 vice versa NICHT gepfiffen wurde. Nun denn, Schwamm drüber, 44 Jahre danach sind wir endlich quit, man sieht sich immer zweimal im Leben.Die meisten Kommentatoren sind der Meinung, daß der Sieg der deutschen Mannschaft verdient war, wenn auch nicht in dieser Höhe. Dem schließe ich mich an. Deutschland steht im Viertelfinale, wie schon in 2006 wieder gegen Argentinien. Ebenjenes Spiel Argentinien gegen Mexiko verdient eigentlich stärkere Beachtung als der Sieg der deutschen Mannschaft: Zumindest in der ersten halben Stunde war Mexiko die klar dominierende Elf. Täusche ich mich, oder ist der Stil ganz ähnlich wie der unsere? Teamplay einer jungen, hochmotivierten Mannschaft, statt individueller Einzelleistungen zwanghaft-sich-profilieren-müssender Stars. Steile Pässe in die Spitze. Allein: es fehlten bei Mexiko die Vollstrecker. Vor dem 1:0 für Argentinien hatte Mexiko zweidrei klare, gut herausgespielte Chancen, durch die durchaus ein Tor hätte fallen können. Auch durch den Rückstand ließen sich die Mexikaner nicht im Geringsten demotivieren, selbst das anschließend zu Unrecht gegebene Abseitstor zum 2:0 brachte sie nur für wenige Minuten aus dem Rhythmus. Erst das 3:0 so kurz nach der Halbzeit ließ dann jedwede Hoffnung schwinden, denn so ein Rückstand wurde in den Hauptrunden von Weltmeisterschaften bisher nur in extremen Ausnahmespielen gedreht. Der Kampfgeist war immer noch da, aber mit zu vielen Fernschüssen war hier nicht viel zu bestellen. Eine Mannschaft, die ihre Chancen so schlecht zu nutzen versteht, scheidet zu Recht aus, das muß man Argentinien gegenüber fairerweise sagen, denn dort war das Gegenteil der Fall. Es ist dennoch der Verlauf dieses parallelen Spiels Argentinien gegen Mexiko, der - mehr noch als der "Lauf" gegen England - Hoffnung gibt, daß Deutschland das Halbfinale erreichen wird: Argentinien ist zu schlagen, sobald die zentralen Spielfiguren eng gedoppelt oder getripelt kalt gestellt werden. Einmal aus dem Rhythmus gebracht, offenbart die argentinische Abwehr verheerende Schwächen. Und es muß schon mit dem Teufel zugehen, wenn unsere Spieler das Nadelöhr nicht finden sollten. Wer am Ende die Tore schießt, ist bedeutungslos, und es ist wunderbar mit anzusehen, wie diese Spieler genau dies beherzigen: Allen Versuchungen durch die Lobhudelei der Journaille zum Trotz im Strafraum IMMER nochmal den Mitspieler suchen, der vielleicht eine bessere Position hat. Herrlich. Das Ganze ist erheblich mehr als die Summe seiner Einzelteile, vorausgesetzt, die Einzelteile nehmen sich selber nicht so wichtig. Dies hat die deutsche Mannschaft schon mehrfach eindrucksvoll bewiesen, und wird dies sicherlich auch kommenden Samstag wieder tun. 10.11.2009: Niedersachsen und ganz Deutschland trauern um Robert EnkeUnser Mitgefühl gilt seiner Familie.Ein schwerer Schlag nicht nur für seine Angehörigen und Hannover 96, sondern auch für die Vorbereitungen zur WM in Südafrika. Er reißt ein großes Loch. Auf ein Neues!So langsam trudeln die ersten Bestellungen für die Europameisterschaft ein. Die etwas schlampige Artikelpflege der vergangenen Wochen bitte ich nachträglich zu entschuldigen, jetzt Anfang Mai stocken wir unseren Lagebestand wieder auf und haben die Auslauf-Artikel weitgehend von der Internetseite entfernt. Auch zwischen den Events hat sich unsere Fußball Deko nämlich hin und wieder verkauft, ein Zeichen, daß Nachwuchs für diese beliebte Sportart trotz rückläufiger Geburtenraten immer noch da ist.So wie es aussieht, wird die Nachfrage nach Fußball Dekoration aber diesmal nicht ganz so stark werden, wie vor zwei Jahren. Das passt mir eigentlich ganz gut, da wir im Juli endlich eine neue Lagerhalle beziehen werden, so daß ich mich um den Abverkauf dieser Produktschiene nicht so gewissenhaft kümmern kann, wie damals. Auch Jogi Löw kann ich leider nicht so intensiv strategisch beraten und mental stabilisieren;) Der schafft das aber auch so. Die nachfolgende Sportberichterstattung stammt aus dem Jahre 2006: Der Fußball hat seine eigenen GesetzeDie Fußball Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ist ein einmaliges Ereignis. Es ist die erste Fußball Weltmeisterschaft in Mitteleuropa, seit die Internettechnologie zur Jahrtausendwende hier ihren Durchbruch hatte. Wir haben also Ü-BER-HAUPT keine Ahnung, wie stark die Nachfrage nach den hier angebotenen Produkten sein wird.Als wir im Februar die ersten Artikel bei unseren Lieferanten geordert haben, durften wir erfahren, daß einige Produkte schon gar nicht mehr lieferbar waren (z.B. Die Flaggenpicker und Lichterketten). Zum Teil sollen diese wohl nachproduziert werden, aber wann insbesondere die Fernostimporte fertig sind, und ob die Kontingente dann ausreichen, kann niemand wissen. Wir müssen also vorab um Verständnis bitten, wenn es in diesem Sektor insgesamt zu Lieferengpässen kommt und möchten Ihnen nahelegen, Ihre Veranstaltungen entsprechend flexibel zu planen. Damit solls aber auch gut sein. Stets um größmögliche Aktualität bemüht, wollen wir an dieser Stelle einfach mal eine Lanze für den Bundestrainer brechen, denn schließlich geht es auf dieser Seite um Fußball. 9.3.2006: eine Lanze für Jürgen KlinsmannDer Trainer der Fußballnationalmannschaft hat nicht die Aufgabe, bei unbedeutenden Vorbereitungs- und Freundschaftsspielen eine gute Figur zu machen. Diese Spiele dienen in erster Linie Tests für neue Strategien. Wer nichts wagt, der nichts gewinnt, und wer nicht im Kleinen auch mal scheitert, kann im Großen keinen Erfolg haben. Da hat er völlig recht.Die Arbeitsteilung mit Oliver Bierhoff als Frontman für die Presse und Jogi Löw als technischem Direktor ist kongenial (ich frage mich, wann uns verraten wird, welcher Vierte die ganze Zeit im Hintergrund die Computerauswertungen vorgenommen hat). Wie alles im Leben ist auch Fußball heute vor allem eine Frage der Psychologie. Der Glaube versetzt bekanntlich Berge, und der Glaube an den eigenen Erfolg ist die wesentliche Voraussetzung für den Einzug ins Halbfinale. Jürgen Klinsmann hat vor allem die Aufgabe, diese Zuversicht auszustrahlen, und die dafür nötigen positiven Vibrationen bekommt man im sonnigen Kalifornien sicher leichter als bei dieser Schweinekälte hier in Mitteleuropa Anfang März 2006. Richtig so Herr Klinsmann: ein Blümchen ins Haar und ab in den Isolationstank bis der Rummel wegen dem 1:4 gegen Italien vorbei ist. Franz Beckenbauer dürfte das eigentlich wissen und sollte besser seinen Mund halten. Die Zukunft des deutschen Fußballs wird am besten durch eine verbesserte Jugendarbeit gefördert, und nicht durch irgendwelche pressewirksamen interntionalen Workshops und Meetings. Er soll gefälligst Jürgen Klinsmann den Rücken stärken. 1990 hat das ja auch geklappt. Oder hat er als öffentliche Figur sein Rückgrat und seine Seele mittlerweile verscherbelt? Überhaupt, die Presse, allen voran der ehemalige Arbeitgeber von Günter Wallraff: Unsere versammelte Journaille wird immer drittklassiger. Statt hochklassiger Recherche hängen sich alle wie die Geier nur an immer dieselben Promis; beliebtestes, ja fast einziges Metier ist das Königsmördertum. Immer wieder geht es nur noch darum, die primitivsen Neidgelüste des Pöbels zu wecken, anstatt endlich im Psychostandort Deutschland das Ruder ins Postive zu drehen. An dieser Schnittstelle gibt es tatsächlich einen engen Zusammenhang zwischen der Fußball-Weltmeisterschaft und der allgemeinen Stimmung, vor allem in der Wirtschaft. Alle, die im Ausland (z.B. In Kalifornien;) Geschäfte machen, vermelden einen Rekord nach dem anderen. Nur innerhalb der Grenzen unseres Landes wird alles angeblich immer schlimmer. Ob das vielleicht was mit der Presse zu tun hat? Man muß sich das mal vorstellen: Da Studiert jemand Journalistik oder Germanistik, träumt davon, später durch sein ganz persönliches Watergate berühmt und angesehen zu werden, und am Ende darf er homestories bei irgendwelchen alternden Promis abwickeln, die eh niemand mehr kennen will. Und anstatt sich rechtzeitig einzugestehen, daß man mit den eigenen Träumen gescheitert ist, setzt man alles daran, dafür zu sorgen, daß andere scheitern. Ein verheerender Mechanismus; die eigentliche und größte Gefahr für den Standort Deutschland, wenn Sie mich fragen. Herr Klinsmann, lassen Sie sich davon nicht runterziehen. Wir schaffen das! 20.3.2006: Der ZauberlehrlingInzwischen haben sich die Gemüter etwas beruhigt. Auch der FC Bayern München hat 1:4 gegen eine italienische Mannschaft verloren und ist aus der Champions-League ausgeschieden, genau die richtige Taktik um die Azuris in Sicherheit zu wiegen und übermütig werden zu lassen. Ein 3:8 hätte das Ganze ja auch viel zu offensichtlich werden lassen. Weiter so.Harald Schmidt war mittlerweise auch auf unserer Seite und hat mit unserer Hilfe sein temporäres defätistisches Formtief überwunden, dann kann ja nichts mehr passieren. Bei uns trudeln jetzt auch die ersten Bestellungen ein; vor allem die Flaggenpicker sind erwartungsgemäß sehr beliebt. Wir bekommen Mitte Mai wohl 700 und Mitte Juni nochmal 500 Päckel rein. Ich hoffe, das reicht. Auch hierin machen wir das Minimalziel Halbfinale dingfest, bleibt standhaft Jungs, ich bleib sonst auf dem Kram sitzen. 22.3.2006: War das nötig?4:1 gegen die USA. Na toll. Das bringt doch alles durcheinander! Hätte ein 1:0 nicht gereicht? Oder ein 1:1? Nein, da muß man gleich erstmal zeigen was man kann. Voll drauf, damit auch alle übrigen Favoriten wieder hellhörig werden.Ärgerlich ist vor allem, daß die Verletzung von Deissler so früh kommt, für einen echten "Ruck", der durch die Mannschaft gehen könnte, wird das bis zur WM noch etwas zu lange dauern. Was solls, wir wünschen ihm gute Besserung. 1.7.2006: JOHN 3:16Na also! Deutschland steht im Halbfinale!Entgegen der anderslautenden einhelligen Meinung unserer inkompetenten Sportjournaille heißt für mich der Held des Tages Miroslav Klose. Sein Kopfballtor markiert psychologisch den wichtigsten Punkt des Spiels und die Emotionen der Republik werden hier wesentlich größer gewesen sein als beim letzten Elfmeter. Die morphogenetischen Felder, die da auf ihn zurückschwappten, dürften kaum auszuhalten gewesen sein, weshalb er von Herrn Doktor Klinsmann zurecht ausgewechselt wurde. Selbstverständlich verdient auch die Leistung von Herrn Lehmann ein dickes Lob, aber er ist ein paar Jährchen älter, kann das alles besser verkraften, und wurde ja auch bekanntlich bereits mit einem kompletten Buchtitel durch Sven Regener hinreichend gewürdigt. Sehr lesenswert! Unserem Teamchef verleihen wir hiermit schonmal die Ehrendoktorwürdehonoris causa militisund erwarten, daß die Humboldt-Universität das spätestens nach dem Finale mit dem entsprechenden hoheitlichen Akt untermauert.Der schlechteste Mann auf dem Platz - und das muß leider auch mal gesagt werden - war diesmal das Publikum. Außer Pfiffen gegen die Argentinier und ein wenig Reklamegeschrei für den Hersteller der Trinkflaschen, die meine Kinder benutzen, war kaum etwas zu hören. Dies ist eines Landes unwürdig, das die Welt zu Gast bei Freunden einlädt, und gerade um die 75. Minute herum hätte unsere Mannschaft ein wenig Unterstützung dringend gebrauchen können. Das kommt davon, wenn man ein Ticket-Verkaufssystem einführt, das an der Zielgruppe Fußball-Fan ein wenig vorbeigeht. Im Halbfinale in Dortmund wird das hoffenltich anders werden, aber für das Endspiel wird mir da doch ein wenig mulmig. Erinnern sie sich noch an die frühen neunziger Jahre, als in den Fußballstadien überall Plakate mit der Aufschrift John 3:16auftauchten? Angeblich ging die Idee auf einen Amerikaner namens Rollen Stewart zurück. Millionen von Menschen fragen sich seitdem, was Johannis 3 Vers 16 mit Fußball zu tun hat, und die Antwort ist eigentlich ganz einfach, wenn man weiß, daß neben dem Johannisevangelium auch noch die Offenbarung des Johannis existiert. Dort nämlich heißt es in Kapitel 3 Vers 16:
Weil ihr aber lau seid
Falls Sie eine Bibelstelle kennen, die die Grundlage der Klinsmann-Strategie treffender beschreibt, schicken sie mir bitte eine E-Mail. Weil die Hälfte der Achtelfinalspiele echt ziemlich langweilig und lau war, mußte ich nochmal an diese Episode denken. Man erinnere sich, daß als Folge des Stewartschen Missions-Eifers von der FIFA die 2:0,1:1,0:2- Regelung kassiert wurde, und es seitdem für einen Sieg 3 Punkte, für ein Unentschieden 1 Punkt und für eine Niederlage 0 Punkte gibt. Ziel der Aktion war seinerzeit, den Fußball wieder durch mehr Tore attraktiver zu machen. In den Folgejahren rückten die "deutschen Panzer" von Olli Kahns Bunker ausgehend, Meter um Meter der feindlichen Linien mit hohem Blutzoll schwer erkämpfend, vor, um dann ebenso sicher wie erfolglos stundenlang vor dem gegnerischen Sechzehnmeterraum zu kreiseln. Gott, Stewart und Dr. Klinsmann sei Dank sind diese Zeiten vorbei. |